Psychische Gesundheit für Führungskräfte

Führungskräfte können in besonderem Maße Stress und Überforderung ausgesetzt sein. Insbesondere dann, wenn sie eine mittlere Führungsposition innehaben und zwischen ihren Mitarbeitenden einerseits und der übergeordneten Führungskraft andererseits zu vermitteln haben. Nachfolgend finden Sie einige Tipps und Hinweise, die Ihren Arbeitsalltag als Führungskraft erleichtern und zu mehr Gesundheit beitragen können.

Wertschätzung leben

Beginnen Sie bei sich selbst. Mit der gleichen Konsequenz, mit der Sie Ihren Blick auf Ihre To-Do-Liste werfen, sollten Sie die Dinge in Augenschein nehmen, die gut geklappt und die Sie erfolgreich erledigt haben. Machen Sie sich dabei auch bewusst, was Ihnen wirklich wichtig ist. Was sind Ihre persönlichen Werte und Ziele? Wie möchten Sie Ihr Leben leben? Finden Sie Möglichkeiten, wie Ihr Arbeitsalltag Sie dabei unterstützen kann. Dafür dürfen Sie an der einen oder anderen Stelle kreativ sein. Um Das Eigene pflegen zu können, brauchen Sie Orte der Reflexion – ob beim Spaziergang oder bei der Meditation.

Auszeiten einrichten

Ein Urlaub kann monatelangen Stress kaum ausgleichen.  Viel effektiver und fördernder für die psychische Gesundheit sind regelmäßige Pausen, die zeitnah an der Belastung liegen. Nehmen Sie sich in Ihrem Alltag Pausen, in denen Sie für Abwechslung sorgen: Wenn Sie viel sitzen, bewegen Sie sich, wenn Sie viel sprechen, finden Sie kleine Zeiten der Ruhe. Auch Ihre Wochenenden können Sie nach diesem Prinzip gestalten. Sie sind damit gleichzeitig ein gutes Vorbild für Ihre Mitarbeitenden.

Unterstützung annehmen

Als Führungskraft sind Sie häufig alleine und mit Entscheidungen auf sich gestellt. Überprüfen Sie gut, wann und welche Unterstützung Sie brauchen. Häufig ist es sehr erleichternd, einen Sparringspartner zu haben, mit dem Sie offen sprechen können. Schauen Sie auch, welche Angebote Sie in Ihrem Unternehmen finden, z.B. ein persönliches Coaching oder Supervision. Auch Fortbildungen für Führungskräfte können gute Gelegenheiten sein, sich eine kollegiale Beratung einzuholen.

Verantwortungsrahmen = Entscheidungsrahmen

Stellen Sie sicher, dass Ihr Verantwortungsrahmen Ihrem Entscheidungsrahmen entspricht. Wenn Sie für einen Bereich oder einen Sachverhalt die Verantwortung tragen, sollten Sie in gleichem Maße auch entscheidungsbefugt sein. Ist der Entscheidungsrahmen kleiner, sind Sie in Ihren Handlungen nicht frei und haben es mitunter schwer, Ihre Entscheidungen gegenüber höheren Führungskräften oder Ihren Mitarbeitenden zu rechtfertigen. Sollte sich der Entscheidungsrahmen nicht anpassen lassen, geben Sie Verantwortung an die Position ab, die auch für Entscheidungen zuständig ist, das kann eine große Entlastung für Ihre psychische Gesundheit sein.

Verantwortungswege = Kommunikationswege

Je komplexer die Führungsstrukturen sind, desto schneller stellt sich die Frage nach einem geeigneten Kommunikationsweg. Schnell kann es passieren, dass Zuständigkeiten übergangen oder Mitarbeiter nicht informiert werden, was zu Verunsicherung und dem Vorwurf von Intransparenz führen kann. Zudem kann es passieren, dass Sie eine Vielzahl an Informationen erhalten und sich infolge mit ihnen beschäftigen, die Sie gar nicht direkt betreffen oder die Mitarbeiter und niedrigere Führungsebene eigenständig bearbeiten können. Wahren Sie deshalb die Wege: Geben Sie Informationen nur an die jeweils Ihnen als nächstes unterstellte bzw. die jeweils höhere Führungskraft weiter.

Gesundheit zum Gespräch machen

Machen Sie Gesundheit zum Gesprächsthema mit Ihren Mitarbeitenden. Sie können ein gutes Vorbild für gesundes Arbeiten sein und damit sich selbst etwas Gutes tun. Fragen Sie sich, wie Sie Ihre Arbeit gut tun können und wie Sie selbst und Ihr Unternehmen dazu beitragen können, dass alle Beschäftigten gesund und engagiert ihre Arbeit tun können. Nutzen Sie in diesem Zusammenhang auch die Gesundheitsangebote Ihres Unternehmens. Gehen Sie zu Yogakursen oder Rücktraining und tragen Sie zu einer Unternehmenskultur bei, in der Gesundheitsförderung nicht als Firlefanz abgetan, sondern bewusst gelebt wird.

Gesunde Überzeugungen

Überprüfen Sie Ihre Überzeugungen. Sind Sie der Meinung, dass Sie als Führungskraft die höchsten Ansprüche an sich selbst stellen sollten? Dann kann es schnell zu Dauerstress und Überbelastung kommen. Wenn Sie stattdessen daran glauben, dass Sie zuerst für sich selbst sorgen sollten um sich dann mit voller Kraft um Ihre Mitarbeiter kümmern zu können, bleiben Sie langfristig psychisch gesund und leistungsstark.

Work-Life-Balance

Führungskräfte sind in der Regel in hohem Maße verantwortungsbewusst, ehrgeizig und leistungsbereit. Um dies langfristig sein zu können, ist das richtige Verhältnis von Arbeit und Erholung ausschlaggebend. Stärken Sie Ihr Privatleben und soziale Kontakte, z.B. indem Sie in der Mittagspause mit anderen zusammen essen gehen. Geben Sie auch Ihrer Familie Raum und seien Sie dadurch wiederum Vorbild für Ihre Mitarbeiter. Eine gute Regel kann sein, das Firmenhandy zu Hause auszuschalten. In den Zeiten von WhatsApp und Co. ist es wichtig, aktiv Grenzen zu setzen und die eigene Verfügbarkeit gut zu kontrollieren, insbesondere dann, wenn Sie flexible Arbeitszeiten- und orte haben.

Emotionales Selbstmanagement

Insbesondere im sozialen Bereich besteht die Gefahr der emotionalen Überforderung. Nehmen Sie Ihre eigenen Gefühle und Belastungen ernst und holen Sie sich nach herausfordernden Situationen mit Klienten oder Mitarbeitenden entsprechende Hilfe zur Nachbereitung. Dies kann im Rahmen einer Supervision oder in akuten Fällen durch einen Anruf bei einer Beratungs-Hotline  geschehen. Achten Sie auf die professionelle Balance von Nähe und Distanz und setzten Sie aktiv Grenzen. Achten Sie auf ausreichende und festgelegte Pausen und fördern Sie eine offene Kommunikationskultur, die auch emotionalen Themen Raum lässt.

Mit Zielvorgaben umgehen

Als Führungskraft sind Sie oft in der Situation des mächtigen Machtlosen – für Ihre Mitarbeiter mächtig und als Angestellter des Unternehmens doch auch häufig machtlos. Verdeutlichen Sie sich diese Situation und überprüfen Sie, welche Aufgaben Sie einfach von oben nach unten durchreichen können und welche in der Form keinen Sinn machen und besser noch einmal an Ihren Vorgesetzten zurückgereicht werden sollten. Denn überlastete und unzufriedene Mitarbeiter können eine große psychische Belastung darstellen.

 

 

Quellen:

Kleinschmidt, Carola: Kein Stress mit dem Stress. Eine Handlungshilfe für Führungskräfte. psyGA, BKK Bundesverband, Essen 2015.

psyGA-Team: Kein Stress mit dem Stress. Lösungen und Tipps für Führungskräfte und Unternehmen. BKK Bundesverband, Essen 2012.