Erlebnisbericht: Salveo-Mitarbeiterinnen, Gesundheitsmentorin und MAV besuchen die diakonische Stiftung Wittekindshof

Am 11.10.2018 besuchten wir, die Salveo-Mitarbeiterinnen Beate Eishauer und Johanna Müller gemeinsam mit der Gesundheitsmentorin Anja Mzyk und dem MAV-Mitglied Katrin Beyerle die diakonische Stiftung Wittekindshof. Die Einrichtung ist ein soziales Dienstleistungsunternehmen mit rund 3.200 Mitarbeitenden an über 100 Standorten in Nordrhein-Westfalen, das aufgrund seines systematischen und örtlich differenzierten Gesundheitsmanagements eine Auszeichnung der „Initiative Neue Qualität der Arbeit“ erhalten hatte. Auf unsere Anfrage hin, die Einrichtung besuchen zu dürfen, haben wir eine Einladung zu einem Gesundheitstag am Standort in Hamm erhalten, dort wurden wir von wir von Frau Dr. Lieseltraud Lange-Riechmann, Koordinatorin Betriebliches Gesundheitsmanagement sehr freundlich empfangen und durch den Tag begleitet.

Den Auftakt des Gesundheitstages machte ein Vortrag von Frau Özlem Deutschmann, Großkundenberaterin der DAK zum Thema Resilienz. Voraussetzung für ein gelingendes BGM sei es, dass die Führungskräfte dafür sensibilisiert würden, dass es bei einem Betrieblichen Gesundheitsmanagement nicht darum ginge, die Mitarbeitenden leistungsstärker zu machen, sondern sie tatsächlich ganzheitlich gesund zu erhalten. Unter dem Titel „Hinfallen, aufstehen, Krone richten weitergehen. Aber wie?“ sprach Frau Deutschmann von der individuellen Resilienz jeder Person. So könne die Belastung an einem Arbeitsplatz die gleiche sein, die Beanspruchung, also das individuelle Empfinden, jedoch sehr unterschiedlich. Grundsätzlich sei Resilienz erlernbar und werde durch insgesamt 12 Aspekte definiert: Selbstbestimmung, Selbstwirksamkeit, Selbstmotivation (emotionale Selbststeuerung), Selbstberuhigung, zielbezogene Aufmerksamkeit, Empathie, proaktives Coping, Optimismus, Verstehbarkeit, Handhabbarkeit, Bedeutsamkeit und soziale Unterstützung. Die aufgeführten Themen hatten uns auch im Kontext der Schulung der GesundheitsmentorInnen beschäftigt, sodass wir gedanklich gut anknüpfen und unsere Ansätze bestätigt sehen konnten.

Im Anschluss an den Vortrag von Frau Deutschmann hatten wir die Gelegenheit, mit Frau Dr. Lange-Riechmann sowie einer Vertreterin der MAV ins Gespräch zu kommen. Kurzzeitig kam außerdem der Personalentwickler Herr Hanke hinzu und stand für unsere Fragen zur Verfügung. Am Anfang von allem stünde die MAV, erzählte Frau Dr. Lange-Riechmann, denn ohne deren Unterstützung sei das BGM in der Form, wie sie es hätten, kaum möglich. Das BGM der Einrichtung wendet sich derzeit an alle 3.200 Mitarbeitenden mit Tarifverträgen, die an über 100 Standorten tätig sind. In alle Abläufe sei die MAV vor Ort einbezogen und nähme an den Gesundheitszirkeln teil.

Aufbau des BGM

Frau Dr. Lange-Riechmann hat innerhalb der Einrichtung eine Stabstelle, die an das Personalresort angegliedert ist. Sie ist mit dem Unternehmen seit ihrer Jugend vertraut und hat im Jahr 2015 mit dem Aufbau des BGM begonnen. Im ersten Jahr widmete sie sich ganz der Konzeptionierung. Dies beinhaltete sowohl den Aufbau einer Geschäftsordnung für das BGM als auch der Gesundheits-Kommunikation. Die Geschäftsordnung beinhaltet alle Regelungen, die mit dem BGM zu tun haben, inklusive der Entscheidungsprozesse und der Kommunikationsstrukturen. Damit ist die Konzeption die Grundlage alle auftretenden Themen und Fragestellungen. Das erste Jahr nutzte sie außerdem, um alle Beteiligten zu informieren. Im Rahmen eines Informationstages kamen alle Führungskräfte der oberen und mittleren Leitungsebenen zusammen und erhielten einen Überblick über das Betriebliche Gesundheitsmanagement. In nachfolgenden Einzelgesprächen fragte sie die Bedarfe und Beiträge der Führungskräfte ab und begründete darauf ihre nachfolgende Arbeit. Frau Dr. Lange-Riechmann stellte dabei heraus, dass alle Kompetenz in Sachen Gesundheitsmanagement bei ihr als Stabstelle läge und sie vollkommen eigenverantwortlich arbeiten könne. Sie habe auf alle notwendigen Daten Zugriff und könne alle Mitarbeitenden direkt über ihre Tätigkeit informieren. Im zweiten Jahr ging es hauptsächlich darum, die geeigneten und in der Konzeption verankerten Strukturen aufzubauen, im dritten Jahr ginge es um die Evaluation der Strukturen. Aktuell befänden sie sich in der Phase der Vernetzung mit anderen Einrichtungen und externen Angeboten.

Als Basis der Gesundheits-Kommunikation nannte sie das Kommunikationsmodell nach Sander, das gewährleistet, dass alle betroffenen Personen informiert sind. Die Geschäftsordnung regelt die Möglichkeit des Umlaufverfahrens, sodass Abstimmungsprozesse mit einer 50%-Mehrheit per E-Mail stattfinden können. Auch die Zustimmung der MAV geschieht im Umlaufverfahren, was eine Entscheidung innerhalb von 14 Tagen ermöglicht und auf diese Weise die Handlungsfähigkeit der BGM-Koordinatorin gewährleistet. Alle Mitarbeitenden werden monatlich durch einen Newsletter über aktuelle Entwicklungen des BGM sowie Angebote und Veranstaltungen an anderen Standorten informiert.

Ablauf der Prozesse

Derzeit laufen Prozesse wie folgt ab: Themen oder Bedarfe aus einem Bereich (Bereiche werden örtlich gegliedert) werden an Frau Dr. Lange-Riechmann herangetragen, diese führt eine entsprechende Analyse im Bereich durch. Grundsätzlich ist die Analyse bzw. Gefährdungsbeurteilung der erste Schritt, um Veränderungen durch Maßnahmen nachweisen und evaluieren zu können. Anschließend bildet sich vor Ort ein Gesundheitszirkel, der mit Personen unterschiedlicher Fachlichkeit sowie einer Person der MAV besetzt ist. Hier werden Maßnahmen entwickelt, der Vorschlag geht an die Fachgruppe (besetzt mit Vorstand, MAV, Fachkraft für Arbeitssicherheit, Schwerbehindertenbeauftragter), die innerhalb einer Woche eine Entscheidung trifft, wonach die Maßnahme durchgeführt und evaluiert wird. Der dafür zusammengekommene Gesundheitszirkel trifft sich insgesamt vier Mal, dann sollte das Thema bearbeitet, Maßnahmen umgesetzt und abgeschlossen sein. In diesem Jahr finden noch 12 weitere Gesundheitstage zu unterschiedlichen Themen an verschiedenen Standorten und für verschiedene Bereiche statt. Alle zwei Jahre wird ein Gesundheitstag für alle Mitarbeitenden angeboten.

Personalentwicklung und externe Vernetzung

Der Personalentwickler Herr Hanke arbeitet eng mit dem BGM zusammen und hat insbesondere einen Blick auf die Bereiche Aus- und Weiterbildung. Er führt außerdem die Jahresgespräche mit den Mitarbeitenden und erhält dadurch Informationen über Kommunikationsstrukturen und die Führungsstile der Leitungen. Auf dieser Grundlage initiiert er insbesondere Projekte und Fortbildungen für die Führungskräfte. Diese erfolgen unter anderem in Zusammenarbeit mit der Deutschen Rentenversicherung und dem Präventionsprogramm GUSI®. Die Rentenversicherung biete außerdem in Kooperation mit einem anerkannten Reha-Träger ein Präventionsangebot für Unternehmen an, das ihnen in Bezug auf die Themen Ausfallmanagement und  Ersatz von Mitarbeitenden eine große Hilfe sei. Auch das Online-Programm „Wege aus der Stressfalle“, das auch für 90 Minuten einen Trainer vor Ort zur beinhalte, fände großen Zuspruch.

Im Hinblick auf Gesundheitskurse begänne die Vernetzung gerade erst. Hier gäbe es bereits Kooperationen mit Sportvereinen und Studios. Intern wird derzeit intuitives Bogenschießen angeboten, das sich besonders großer Beliebtheit erfreut.

Unser Besuch des Gesundheitstages in der diakonischen Stiftung Wittekindshof in Hamm hat uns viele Aspekte eines gelingenden Betrieblichen Gesundheitsmanagements verdeutlicht und wertvolle Ansätze aufgezeigt. Unser besonderer Dank gilt Frau Dr. Lange-Riechmann, die uns gute Einblicke in ihre sehr strukturierte und durchdachte Arbeit gab. Mehr über den Wittekindshof unter: www.wittekindshof.de.

Weitere Erkebnisberichte: Neben dem Wittekindshof besuchten wir auch den Naturheilmittelhersteller Pascoe und die Altenpflegeeinrichtung St. Gereon.