Bewusst mit den eigenen Ressourcen umgehen – Leistungsfähigkeit bei vielfältigen Anforderungen erhalten

Am 06. und 07.12.2018 besuchte die Salveo-Mitarbeiterin Johanna Müller die Fortbildung „Bewusst mit den eigenen Ressourcen umgehen – Leistungsfähigkeit bei vielfältigen Anforderungen erhalten“ im Bildungshaus Bad Nauheim. Gefördert wird die Fortbildung von der AOK, die einen erheblichen Teil der Kosten übernahm.

Die Referentin Antje Weidling, Trainerin und Führungskräftecoach, stellt die unterschiedlichen Facetten von Ressourcen vor und betonte dabei immer wieder, dass jeder Einzelne selbst für sich Verantwortung übernehmen und die vielen Methoden und Ansätze, die oft verstandesmäßig vertraut sind, auch umsetzten muss.

Ressourcen

Ressourcen sind Möglichkeiten, aus welchen eine Person Kraft schöpfen kann. Sie können unterschiedliche Ursprünge haben: Sie können aus dem beruflichen oder privaten Umfeld kommen, aus den Wuzeln (Sichtweisen, Haltungen, Kindheitserlebnisse) oder Perspektiven sein, die in der Zukunft liegen. Im Zentrum steht das Ich mit seinem Körper, den Sinnen, dem Verstand, den Emotionen, Erfahrungen und Wissen. Wichtig ist, das Ich so stark wie möglich zu machen und sich selbst inneren Halt zu verschaffen, der auch dann trägt, wenn Ressourcen aus einem Bereich, z.B. im privaten Umfeld, wegbrechen. Der Anfang jeder Ressourcenarbeit ist es, sich bewusst zu machen, welche Themen da sind und welche Ressourcen zur Verfügung stehen.

Hierbei kann es hilfreich sein, sich einen inneren Überblick zu verschaffen, welche Themen gerade da sind und innerlich Raum einnehmen: Schließen Sie für einen Moment die Augen und wandern Sie durch Ihre inneren Flure. Nehmen Sie alle wahr, was dort ist, ganz gleich, ob Sie es mögen oder nicht. Selektieren Sie nicht, sondern sammeln Sie alles ein, was sich in Ihnen befindet. Dann nehmen Sie sich Kisten oder Kartons – sie können aus Pappe sein oder Holz, verschiedenfarbig sein oder weiß, manche sind größer und manche kleiner und packen Sie die Themen schön sortiert in Kisten. Versehen Sie sie mit einem gut lesbaren Etikett und stellen Sie die Kisten ordentlich in ein Regal. Vielleicht fällt Ihnen dabei etwas Überraschendes auf, vielleicht merken Sie aber auch einfach, wie gut es tun kann, einen Überblick zu gewinnen und Ordnung zu schaffen. Diese Übung eignet sich auch, um abends nach der Arbeit abzuschalten und das Gedankenkarussell anzuhalten.

Gut ist es außerdem, sich sowohl nach innen, als auch nach außen immer wieder leitende Fragen zu stellen:

  • Muss ich in dieses Meeting wirklich gehen?
  • Ist das wirklich meine Aufgabe?
  • Wie spreche ich innerlich mit mir selbst? Bin ich freundlich zu mir oder höre ich vor allem meine inneren Antreiber?

Stress ist häufig eine empfundene Ist-Soll-Diskrepanz. Die Arbeit soll am Ende des Tages geschafft sein, ist es aber nicht. Hier gilt es, hinderliche Glaubenssätze zu überprüfen, ebenso wie zu schauen, ob das Soll überhaupt Sinn macht.

Flow

Wichtig ist es im Laufe der Arbeit immer wieder in Flow-Phasen zu kommen. Diese liegen zwischen Überforderung und Unterforderung und führen zu Erfolg, Freude und Wachstum. Flow-Zustände können sich dann einstellen, wenn entsprechende Rahmenbedingungen gegeben sind:

  • Ich will
  • Das Ziel ist klar
  • Das Knowhow und benötigte Werkzeuge sind da
  • Ungestörte Konzentration ist möglich

Flow-Phasen sind für eine gesunde Arbeit sehr wichtig und scheitern im Alltag am häufigsten daran, dass ein ungestörtes und konzentriertes Arbeiten durch viele Unterbrechungen nicht möglich ist. Diese Phasen sollten nach Möglichkeit unbedingt hergestellt werden.

Arbeit außerhalb des Flows zeigt Merkmale mit den größten Energiefressern auf:

  • Negative Sicht auf das was ist
  • Das Gefühl, nur reagieren zu können, nicht agieren
  • Ständige Unterbrechungen
  • Unklarheiten in Bezug auf das Ziel, die Situation, die Aufgabe
  • Eintönigkeit
  • Fehlende Mischung von Leistungshoch – Flow – Leistungstief

Nein-Sagen

Sehr wichtig ist es auch, Nein sagen zu können. Vor allem dann, wenn man selbst Aufgaben mit hoher Priorität (wichtig und dringend) zu erledigen hat und es sich eingeschlichen hat, dass man Aufgaben übernimmt, die eigentlich nicht in den eigenen Bereich gehören und Energie von der eigenen Arbeit abziehen. Hier ist es wichtig, klare Grenzen zu setzen, denn wenn jemand etwas immer wieder ohne großen Widerspruch übernimmt, wird es für die Menschen, die den Auftrag übergeben, zur Gewohnheit.

Hilfen zum Nein-sagen können sein:

  • Nachdenken vor dem Ja-sagen
  • Nachfragen, was die Übernahme der Aufgabe konkret heißt und zusammenfassen, was man verstanden hat
  • Begrenzen – diese eine Mal mache ich es…; das ist eine Ausnahme
  • Begründen, warum man den Auftrag ablehnt. Am besten mit Fakten, die für den anderen interessant sind
  • Generelle Grenzen setzen: Nein, das mache ich grundsätzlich nicht; das ist nicht mein Aufgabenbereich, sondern gehört zu…
  • Bedingungen nennen: Damit ich das tun kann, brauche ich…
  • Konsequenzen nennen: Wenn ich das tue, kann ich xy nicht tun
  • Konsequenzen erfragen: Möchten Sie, dass ich y oder x mache?
  • Alternativen anbieten

Zusammenfassung und Empfehlung

Die aufgeführten Themen und Methoden zeigen einen kleinen Überblick über die Inhalte des Seminars. Frau Weidling arbeitet sehr konkret an den Fragen und Themen der Teilnehmenden, sodass es gut möglich ist, eigene Fragestellungen und Herausforderungen einzubringen. Ich empfehle das Seminar jeder Person, die noch Schwierigkeiten hat, sich abzugrenzen, Ideen braucht, wie sie besser auf eigene Ressourcen am Arbeitsplatz zugreifen kann und Hinweise und Anregungen im Umgang mit Vorgesetzten wünscht.