Neues vom ESF - Projekt Salveo

 

Im März 2017 startete das ESF-Projekt „Salveo – gesund bis zur Rente“, das im Rahmen des Programms rückenwind+ bei einem Gesamtvolumen von 600.000 Euro durch den Europäischen Sozialfond und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert wird und zum Ziel hat, eine Unternehmenskultur modellhaft im St. Elisabeth-Verein zu implementieren, die vor dem Hintergrund einer zunehmend älteren Belegschaft die Gesundheit aller Beschäftigten fördert, das Wohlbefinden steigert und eine höhere Arbeitszufriedenheit generiert.

Nach einer Vorbereitungszeit von einem halben Jahr und sich anschließenden personellen Neubesetzungen (als neue Mitarbeiterinnen in dem Projekt arbeiten Johanna Müller und Beate Eishauer) liefen seit September 2017 die Qualifizierungen zu Gesundheitsmentoren/innen. Diese Qualifizierungen sind dabei nur der erste zentrale Baustein in dem dreistufig ausgelegten Handlungskonzept: der Weiterbildung bestehend aus 10 Fortbildungstagen in vier Modulen folgt die Konstituierung von bereichsbezogenen Arbeitsgruppen, die die konkrete Entwicklung und Umsetzung auf die einzelnen Arbeitsbereiche zugeschnittener Maßnahmen zur Aufgabe haben. In einer dritten Phase werden dann unter Zusammenführung der bisherigen Erkenntnisse Schritte zur nachhaltigen Etablierung von Maßnahmen als festen Bestandteil in unseren Unternehmensstrukturen unternommen werden.

Bereits in den ersten Modulen der Weiterbildung, an der ein breiter Querschnitt aller unserer verschiedenen Arbeits- und Geschäftsbereiche (wie Altenhilfe, Wohngruppen, Tagesgruppen Verwaltung, DL, Familienhilfe, Sozialpsychiatrie etc.) teilnahm, zeigte sich, wie wichtig und gewinnbringend ein Austausch zu den Belastungsmomenten im Arbeitsalltag über den Tellerrand der separaten Arbeitsbereiche hinaus erlebt wird.

Zahlreiche Themenfelder, bei denen die Teilnehmenden Handlungsbedarf sehen, zeichneten sich bereits ab : So auf dem Gebiet der Arbeitsplatzgestaltung bspw. die räumliche und Mobiliar- Ausstattung (wie ergonomische Möbel, gesonderter Pausen-/Nachtbereitschaftsraum); auf dem Gebiet der Arbeitszeit- und Dienstplangestaltung spielte u.a. das Bedürfnis nach flexibleren Dienstzeiten sowie eine bessere Kompensation von Ausfallzeiten im Schichtdienst eine bedeutende Rolle. Mehr und besonders für Alle erreichbare Gesundheitskurse sowie Anregungen zu bewegungsorientierten Pausen wurden ebenso thematisiert wie die Stärkung des Bewusstseins für das Verhältnis von Arbeit und Freizeit auf dem Gebiet der Selbstfürsorge. In Bezug auf eine „gesundheitsfördernde Führungskultur“ wurde durchgängig eine hohe Transparenz und Partizipation nicht nur bei grundlegenden Entscheidungsprozessen betont. Mit dem Ziel zu eruieren, welche Maßnahmen der Gesundheitsförderung am relevantesten und sinnvollsten erachtet werden, wird z.Zt. unter allen Gesundheitsmentoren/innen eine standardisierte Onlinebefragung durchgeführt.

Um dem regen Interesse an dem Thema Schichtdienst nachzukommen und möglichst vielen Mitarbeitenden die Möglichkeit zu bieten, sich zu informieren, haben wir im August einen Workshop zum Thema „Gesundes Arbeiten im Schichtdienst“ im Bereich der Jugendhilfe durchgeführt. Zudem werden wir Angebote unterbreiten, bspw. im Rahmen von Teamsitzungen mögliche konkrete Unterstützungsformate abzusprechen und anzubieten, die die verschiedensten Themenbereiche wie z.B. Stressmanagement, Selbstachtsamkeit, Ernährung, wertschätzende Kommunikation, Teamgestaltung, Arbeitsplatzausstattung, Pausengestaltung etc. umfassen.

Da die bereichsbezogene Umsetzung gesundheitsfördernder Maßnahmen  nach Auffassung des Vorstandes sowie unserer neuen Betriebsärztin Frau Dr. Hampe nur unter Einbeziehung der mittleren und oberen Leitungsebene gelingen kann, gleichzeitig aber gerade diese Führungskräfte in unseren Fortbildungen bislang unterrepräsentiert waren, wurde noch einmal eine zusätzlich auf gerade diese Leitungsebene zugeschnittene zweimodulige Fortbildung entwickelt, die auf großes Interesse stieß und deren erstes Modul von 23 Teilnehmenden besucht wurde.

Wie eine gesunde Unternehmenskultur in der Praxis aussehen kann, darüber haben sich Johanna Müller und Beate Eishauer informiert, indem sie zwei Unternehmen – den Naturheilmittelhersteller Pascoe sowie Altenpflegeeinrichtung St. Gereon -, die im Rahmen des Wettbewerbes Great Place to Work als Beste Arbeitgeber Deutschlands ausgezeichnet wurden, besucht haben. (Die Berichte darüber finden sich in dieser Ausgabe des Grünen Fadens)

Dass die Thematik der Gesundheitsförderung im Elisabeth-Verein künftig von zentraler Bedeutung sein wird, wird auch deutlich am neu installierten Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM), mit dem das Salveo-Projekt u.a. sowohl personell als auch auf der Ebene eines Steuerungskreises eng verzahnt kooperiert, und in den die bisher identifizierten Themen in Form Gesundheitszirkeln integriert werden. So ging bereits der Gesundheitszirkel Verwaltung an den Start, weitere stehen kurz vor dem Beginn.

Anlässlich eines Monitoring-Besuches der Referentin der ESF-Regiestelle wurde gerade dieser Aspekt des Salveo-Projektes besonders positiv hervorgehoben, zumal Maßnahmen der Organisationsentwicklung als wesentliche Voraussetzung für eine nachhaltige Wirksamkeit eingeleiteter Prozesse gesehen werden und andere geförderte Einrichtungen sich gerade in diesem Bereich schwertun.

In dieser Hinsicht sind wir also gut positioniert, um einen erfolgreichen weiteren Projektverlauf zu ermöglichen.

Aktuelle Informationen finden Sie künftig unter der Projekt-Website: www.gesund-bis-zur-rente.de

 

(Bei Interesse oder Fragen wenden Sie sich gerne an die Projektleitung Bernd Stolte, b.stolte@elisabeth-verein.de, tel. 06421 94842-52))

 

Gesundheit im Unternehmen – ein Thema von Haltung und Bewusstsein

 

Salveo-Seminar für Führungskräfte

von Walter Junck und Johanna Müller

Im August und Oktober fanden sich im Rahmen von Salveo insgesamt 24 Führungskräfte des St. Elisabeth-Vereins  für zweimal zwei Tage zusammen, um sich mit dem Thema Gesundheit zu beschäftigen, und zwar sowohl mit Blick auf die Mitarbeitenden als auch besonders konzentriert  auf die Situation als Leitungskraft. Im Rahmen der ersten beiden Tage konnte das Projekt Salveo näher vorgestellt, die Zusammenführung mit dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement nachvollzogen und ein besseres Verständnis für dessen Wirkung im Verein entwickelt werden. Inhaltlich thematisierten die Teilnehmenden vor allem ihre eigene Situation, in einer Sandwich-Position zwischen übergeordneter Führungskraft und den Mitarbeitenden zu stehen. In diesem Zusammenhang wurde die Frage nach der Übereinstimmung von Verantwortungsrahmen und Entscheidungsrahmen besprochen und alle jene Themen gesammelt, mit denen sich die Gruppe im Rahmen der nachfolgenden Tage auseinandersetzen wollte. Einen weiteren thematischen Schwerpunkt setzte das Konzept der Salutogenese, anhand dessen die Aspekte von Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit (Kohärenz) reflektiert werden konnten. Dies wurde ausdrücklich unter einer doppelten Perspektive betrachtet: das Verhalten der anwesenden Führungskräfte ihren Mitarbeitenden gegenüber und das eigene Erleben in der Zusammenarbeit mit der übergeordneten Führungsebene. Ausgehend von den in den ersten beiden Tagen gesammelten Themenpunkten bereiteten die Salveo-Mitarbeiterinnen die anschließenden Seminartage im Oktober vor, die nach der Kennenlernphase im ersten Modul zu einer Phase konstruktiver und gemeinschaftlicher Arbeit an dem umfassenden Thema Gesundheit wurden.

Die im Rahmen der Module mit den GesundheitsmentorInnen entstandene Antwortsammlung auf die Fragen „Was macht gesunde Führung aus?“, „Was braucht eine Führungskraft, um gesund führen zu können?“ und „Wie kann ich als Mitarbeitender dazu beitragen, dass gesunde Führung gelingt?“ wurde besprochen, reflektiert und fand inhaltliche Zustimmung. Die formulierten Ideale würden nach Möglichkeit gelebt, vieles davon aber brauche Raum und Zeit. Dieses Bedürfnis nach Zeit, für die Belange der Mitarbeitenden, für die Reflexion der eigenen Arbeit und die Möglichkeit, sich auf Führungsebene auszutauschen und eine gemeinsame Haltung zu entwickeln, tauchte immer wieder auf und begleitete die vier gemeinsamen Tage.

Zentraler Baustein des Seminars waren die sieben Aspekte zum „Führen mit Hirn“, die Sebastian Purps-Pardigol in Zusammenarbeit mit Gerald Hüther entwickelt und als Buch herausgegeben hat. Die Erkenntnisse der beiden Forscher speisen sich aus Beispielen von Unternehmen, denen es auf unterschiedliche Weise gelungen ist, eine gesunde Unternehmenskultur auf allen Ebenen zu schaffen. Unternehmen also, die sich durch eine hohe Zufriedenheit und Gesundheit aller Mitarbeitenden auszeichnen, das Wohlergehen und die Entfaltung des Einzelnen in den Blick nehmen und nicht trotzdem, sondern gerade deshalb wirtschaftlich erfolgreich sind. Die Beispiele wurden mit Erkenntnissen der modernen Hirnforschung untermauert, anschaulich beschrieben und mit dem persönlichen Erleben der Teilnehmenden in ihren Arbeitszusammenhängen im St. Elisabeth-Verein konfrontiert. Ein besonders beeindruckendes Beispiel bot an dieser Stelle der Film „Die stille Revolution“ über die Hotelkette Upstalsboom, deren Kultur durch den Geschäftsführer Bodo Janssen „still“ und grundlegend verändert wurde. Sein Weg führte über Selbstachtsamkeit, Meditation, Selbstreflexion und innere Einkehr zu einem Unternehmen in einem neuen und weiten Raum, in dem den Mitarbeitenden sinnstiftende Erfahrungen, das Gefühl von Zugehörigkeit und Wertschätzung ermöglicht werden. Die Entwicklung des Bewusstseins, den Menschen auch im Arbeitskontext als geistiges Wesen zu begreifen und die Haltung, Führung als Aufgabe zur Entfaltung von menschlichen Potentialen zu verstehen, stehen im Zentrum dieser zukunftsweisenden Unternehmenskultur, die einen nachweislich großen Einfluss auf die Gesunderhaltung der Mitarbeitenden hat. 

Aus den beiden Tagen entwickelte sich das Bedürfnis der Teilnehmenden, auch in Zukunft an dem Thema weiterzuarbeiten, einen Raum zu schaffen, in dem ein Austausch der Führungskräfte stattfinden kann. Ebenso wurde der Wunsch ausgedrückt, verschiedene Projekte und Ansätze, die momentan im St. Elisabeth-Verein umgesetzt werden, zusammenzufassen und eine gemeinsame Haltung für eine bewusste und gelingende Gesundheitskultur zu entwickeln. Im Rahmen der nächsten Steuerungsgruppe BGM soll über einen Gesundheitszirkel für Führungskräfte entschieden werden, weil sich im Verlauf der 4-tägigen Fortbildung herausgestellt hat, dass der Aufbau eines nachhaltigen Gesundheitsmanagements im St. Elisabeth-Verein ohne die motivierte Mitwirkung der mittleren Führungsebene nur schwer möglich ist.

Das Salveo-Projekt wird den Wunsch der Teilnehmenden aufgreifen und ein Seminar zum Thema Achtsamkeit für Führungskräfte anbieten. Der Termin hierfür steht bereits fest: 30.04.2019. Auch ein weiteres Seminar für Führungskräfte, in Anlehnung an das stattgefundene, wird angeboten werden und richtet sich an all jene, die an der ersten Veranstaltung nicht, oder nur teilweise, teilnehmen konnten und sich mit dem Thema Gesundheit und gesunde Führung auseinandersetzen möchten. Auch hierfür gibt es schon Termine: 04./05.02.2019 und 26./27.03.2019. Zu allen genannten Veranstaltungen werden rechtzeitig Einladungen verschickt.

Seminar Hauswirtschaftskräfte

ABSCHLUSSBERICHT SALVEO

 

 

1. Vorbereitung: Zielsetzungen und Start des Projektes

1.1 Rahmen des Projektes

Anfang 2017 erhielt der St. Elisabeth-Verein Marburg e.V. den Zuschlag für die Förderung des Projektes zur „Etablierung einer demographisch orientierten, resilienz- und gesundheitsfördernden Unternehmenskultur“ durch den Europäischen Sozialfonds über Gelder des Förderprogramms „Rückenwind“. Die Förderung erstreckte sich über einen Zeitraum von insgesamt drei Jahren mit Beginn im März 2017 und Ende im Februar 2020. In diesem Rahmen wurden eine Projektleitung und zwei pädagogische Projektmitarbeiterinnen beschäftigt sowie die Übernahme der Kosten für die Freistellung von Mitarbeitenden des St. Elisabeth-Vereins und seiner Tochtergesellschaften für die Qualifizierung und anschließende Verstetigung gesundheitsrelevanter Themen im Kontext des Projektes bereitgestellt.

1.2 Zielsetzungen

Zentrale Stoßrichtungen des Projekt Salveo waren der Erhalt der Gesundheit und eine veränderten Einstellung zur Definition und zum Umgang mit den Begriffen Altern und Alter. Ziel des Projektes war es unter anderem, die Einflussfaktoren gesundheitsbegünstigender Bedingungen auf Unternehmensebene und auf der Individualebene zu vermitteln. Dazu wurden Aspekte für einen achtsamen und bewussten Umgang mit der eigenen Gesundheit und konkrete Anregungen für  reflektiertes Gesundheitsverhalten erarbeitet und erfahrbar gemacht. Ziel des Projektes war es des Weiteren, einen förderlichen Umgang mit den Begriffen „Altern und Alter“ zu initiieren, die Arbeitsplätze des St. Elisabeth-Vereins vor dem Hintergrund des demographischen Wandels zu reflektieren und gesundheitsförderliche und möglichkeitserweiternde Arbeitsbedingungen über alle Generationen im Unternehmen zu etablieren. Dabei wurde neben einer gesellschafts- auch eine Individuums orientierte Perspektive eingenommen und aktiv berücksichtigt.

1.3 Vorbereitung und Auftakt

Personell wurde das Projekt mit einer Kollegin aus der Mitarbeitervertretung und einer neu ins Unternehmen kommenden Kollegin pädagogischen Referentin besetzt. Die frühzeitige Einbindung der Mitarbeitervertretung sollte gewährleisten, dass sowohl deren Kenntnisse von den Bedarfen der Mitarbeitenden in das Projekt einfließen, als auch deren, in Bezug auf gesundheitsrelevante Fragestellungen gegebene, Mitbestimmungsberechtigung zu wahren. Nach einer personellen Umbesetzung erfolgte eine enge Anbindung an das sich im Aufbau befindende Betriebliche Gesundheitsmanagement, dessen Struktur in Teilen für das Salveo-Projekt übernommen wurde. Dadurch konnte frühzeitig die Verstetigung des Projektes über die Förderperiode hinaus gesichert werden.

Das Projekt erhielt den Titel „Salveo – gesund bis zur Rente“ und wurde bis zum Ende unter diesem Namen geführt.

Das Salveo-Team begann seine Arbeit mit dem Besuch unterschiedlicher Einrichtungen und Arbeitsbereichen des St. Elisabeth-Vereins, um die Bedarfe der Kolleg_innen zu erfragen und anhand dieser Ergebnisse Inhalte für die Module der Qualifizierungsphase zu konzipieren. Die Vorbereitungsphase war im September 2017 abgeschlossen.

 

  1. Durchführung: Qualifizierung der Gesundheitsmentor_innen

2.1 Rahmen der Qualifizierung

Die Konzeption des Salveo-Projektes sah vor, möglichst viele Kolleg_innen aus unterschiedlichen Bereichen und Führungsebenen für das Thema Gesundheit zu sensibilisieren und zu qualifizieren. Dieses Ziel wurde mit einer Teilnehmer_innenzahl von ca. 45 Personen weitestgehend erreicht. Diese Personen beschäftigten sich in drei Gruppen und im Rahmen von 10 Seminartagen mit den unterschiedlichen Themen und Ebenen von Gesundheit im Unternehmen. Im Zentrum hierbei standen die sich ergänzenden Perspektiven einer Gesundheitsförderung durch den Arbeitgeber bei gleichzeitiger Eigenverantwortung jeder einzelnen Person. Die Kolleg_innen, die an dieser Qualifizierung teilnehmen, werden im Folgenden als Gesundheitsmentor_innen bezeichnet. Darüber hinaus wurde deutlich, dass insbesondere die Einbindung der Mittlere Führungsebene für die Nachhaltigkeit des Projektes ausschlaggebend sein würde, sodass zusätzlich zu den 45 Gesundheitsmentor_innen weitere 23 Kolleg_innen der Mittleren Führungsebene in zusätzlichen Seminaren zum Thema Gesundheit sensibilisiert und in die Strukturen des Salveo-Projektes einbezogen wurden.

2.2 Inhalte der Qualifizierung

Die Qualifizierung der Gesundheitsmentor_innen erfolgt an 10 Tagen in vier Modulen, die sich den folgenden Themen widmen:

  1. Modul
  • Vorstellung des Salveo Projektes
  • Annäherung an den Begriff „Gesundheit“
  • Salutogenese
  • Einführung in das Thema Resilienz
  • Aspekte der Gesundheitsförderung
  • Ideensammlung für die Arbeit der Gesundheitsmentor_innen

 

  1. Modul
  • Demographischer Wandel
  • Altern und Arbeit
  • Wandel der Berufsbiographien
  • Generationsübergreifendes Arbeiten
  • Lebenslanges Lernen

 

  1. Modul
  • Handlungsfelder einer alternsgerechten, gesundheitsfördernder Unternehmenskultur
  • Rahmenbedingungen unserer Arbeit (Schichtarbeit, Nachdienst, Ergonomie, Augengesundheit, Pausengestaltung…)
  • Change Management
  • Gesundes Führen
  • Kommunikation und Wahrnehmung
  • Gesundes Miteinander im Team
  • Konflikte im Arbeitsleben

 

  1. Modul
  • Psychische Belastungen am Arbeitsplatz
  • Stress und Burnout
  • Förderung der psychische Gesundheit
  • Selbstmanagement und Selbstfürsorge (Entspannung und Achtsamkeit, Umgang mit Restriktionen, der innere Arzt, Erkenntnisse der Glücksforschung…)
  • Umgang mit belasteten Kolleg_innen
  • Ausblick für die Gesundheitsmentor_innen

Inhaltlich griffen die Module damit die hauptsächlichen gesundheitsrelevanten und resilienzfördernden Aspekte der unterschiedlichen Arbeitsplätze des St. Elisabeth-Vereins und seiner Tochtergesellschaften auf. Immer wieder stand die Frage nach der Bedeutung der Fürsorge des Arbeitgebers auf der einen und jener der Selbstfürsorge des einzelnen Mitarbeitenden im Vordergrund. Nach einem überblicksartigen Einstieg in das Thema Gesundheit, bei dem das Thema bereits aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet wurde (so z.B. das Zusammenspiel von physischer, psychischer, sozialer und geistig-spiritueller Gesundheit) wurden die angegliederten Themen Resilienz und Salutogenese, in den Blick genommen. Hierbei spielte vor allem der wiederkehrende Blick auf die individuell empfundene Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit und der aktuellen Lebenszusammenhänge sowie deren Bedeutung für das Erleben von Gesundheit, Belastbarkeit und Widerstandsfähigkeit eine große Rolle.

Auf dieser Grundlage wurden einzelne Aspekte der konkreten Arbeitssituation betrachtet – so z.B. die Ergonomie bei Schreibtischarbeitsplätzen und die Möglichkeiten, Schichtdienste und psychisch belastende Aufgaben im Team gut zu meistern. Hierbei tauchten immer wieder auch Fragen nach den altersabhängigen Bedürfnissen und Verschiebungen von Fähigkeiten in einem Team auf und wie diesen mit individuellen Lösungen Rechnung getragen werden kann.

Übergeordnet nahm der Prozess eine immer stärkere Innerlichkeit an, sodass gegen Ende der Qualifizierung das sehr persönliche Empfinden von Gesundheit, der Umgang mit Stress vor dem Hintergrund eigener individueller kognitiver Muster und Verhaltensweisen sowie die Erlaubnis für eine selbststärkende und eigenverantwortliche Achtsamkeit im Vordergrund standen.

2.3 Rolle und Aufgabe der Gesundheitsmentor_innen

Die Gesundheitsmentor_innen sind in ihrem Bereich Ansprechpartner für die Mitarbeitenden in Bezug auf gesundheitliche Themen im betrieblichen Kontext und können auf Wunsch der Mitarbeitenden Gesundheitszirkel (siehe unten) initiieren.

Sie werden die Moderation der Gesundheitszirkel übernehmen sowie die Kommunikation mit der Steuerungsgruppe als beschlussfassendes Gremium des Betrieblichen Gesundheitsmanagements und der MAV.

Gleichzeitig sollen sie seitens der Steuerungsgruppe und den für das Thema verantwortlichen Personen in  alles Prozesse, die das Thema Gesundheit betreffen, einbezogen werden und ggf. daran mitwirken. Hierzu zählen u.a. Unterweisungen, Gesundheitstage, Seminare zum Thema Gesundheit sowie die Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen.

 

  1. Verstetigung: Gesundheitszirkel, Spezielle Angebote und Abschluss

3.1 Spezielle Angebote

Im Rahmen der Qualifizierung wurde deutlich, dass bestimmte Fachgruppen und Ebenen unterrepräsentiert waren, die jedoch für den ganzheitlichen Erfolg des Projektes maßgeblich sind. Auf Grundlage dieser Beobachtung boten die Referentinnen des Projektes Ende 2018 vier zusätzliche Seminartage für die Mittlere Führungsebene an. Aus diesen intensiven Tagen entwickelt sich ein Gesundheitszirkel der Mittleren Führungsebene, der bis zum Abschluss des Projektes und darüber hinaus Bestand haben wird.

Ebenfalls einen separaten Seminartag konnte den Hauswirtschaftskräfte des Vereins angeboten werden, die hauptsächlich in Wohngruppen tätig sind. Da Menschen aus diesem Arbeitsbereich sonst nur wenig eingebunden sind, werteten die Referentinnen des Projektes es als Erfolg, ein speziell auf deren Bedürfnisse zugeschnittenes Seminar anbieten und sie so in das Salveo-Projekt und das Betriebliche Gesundheitsmanagement mit einbeziehen zu können. Auch hieraus entwickelte sich ein Gesundheitszirkel, der für eine kurze Zeit bestand und bei Bedarf wieder aktiviert werden kann.

Als Ergänzung der Modulinhalte wurde für die Gesundheitsmentor_innen ein zusätzliches Seminar zum Thema gesunde Ernährung angeboten. Dieses stellte das ursprüngliche Körperwissen sowie die Schulung der Aufmerksamkeit für die eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund.

Speziell für die Mittlere Führungsebene und aufgrund deren spezieller Situation, eine Zwischenposition zwischen Geschäftsbereichsleitung und Mitarbeiter_innen einzunehmen, wurde ein Seminartag zum Thema Selbstachtsamkeit angeboten, der viele praktische Übungen und Methoden zur Aufmerksamkeitsfokussierung und Selbstachtung beinhaltete.

In Absprache mit dem zuständigen Geschäftsbereichsleiter wurden die einzelnen Wohngruppen in Bad Wildungen besucht und deren Bedarf an Unterstützungen in Bezug auf das Thema Gesundheit erfragt. Hier wurden, ebenso wie im Familienintegrativen Bereich in Marburg, vorrangig strukturelle Themen angesprochen und als große gesundheitliche Belastung geschildert. Hier konnte das Salveo-Projekt nur Mittler sein und die gehörten Informationen unter Beachtung von Anonymität weitergeben.

Für die familienintegrativ arbeitenden Kolleg_innen in Erfurt wurde ein Vorort-Seminar zum Thema Resilienz durchgeführt aus dem sich ebenfalls ein regionaler Gesundheitszirkel entwickelte, der durch das Salveo-Projekt begleitet und beraten werden konnte.

Kurz vor Abschluss des Projektes wurde außerdem ein individuelles Gesundheitsseminar für zwei Wohngruppenteams in Biedenkopf durchgeführt.

3.2 Gesundheitszirkel

Gesundheitszirkel sind innerbetriebliche Arbeitskreise, in denen unter aktiver Einbeziehung der Mitarbeiter_innen neue Ideen zur Planung und Durchführung betrieblicher Gesundheitsförderung generiert werden sollen. In Gruppenaktivitäten soll das Erfahrungswissen der Beschäftigten dazu dienen, gesundheitsgefährdende Faktoren in der Arbeit zu eruieren und zu analysieren. Neben der Ursachensuche wird darüber hinaus aktiv nach gesundheitsfördernden Lösungen gesucht. Auf diese Weise kann das Ideen- und Wissenspotential der Mitarbeiter_innen optimal zur betrieblichen Gesundheitsförderung genutzt werden. Zusätzlich erhöht die starke Einbeziehung der Mitarbeiter_innen das Verantwortungsbewusstsein und stärkt den Zusammenhalt.

Zu den zentralen Aufgaben des Gesundheitszirkels zählen:

  • Probleme anhand von Beispielen benennen und beschreiben
  • die Ursachen für Probleme und Belastungen analysieren
  • konkrete Verbesserungsvorschläge erarbeiten, um Abläufe und Prozesse zu verbessern
  • positive Ressourcen benennen
  • Prioritäten setzen
  • die Beteiligung von Mitarbeitenden sichern

Folgende Gesundheitszirkel sind aus dem Salveo-Projekt hervorgegangen:

  • Gesundheitszirkel Verwaltung (Arbeitsplatzbezogener Gesundheitszirkel):

Der Gesundheitszirkel Verwaltung etablierte sich als erster Gesundheitszirkel und ist mit den Gesundheitsmentorinnen der Verwaltung besetzt. Der Gesundheitszirkel brachte Anträge und Vorschläge zur Flexibilisierung der Arbeitszeit sowie störungsfreien Zeiten in die Steuerungsgruppe ein, entwickelte Lehrfilme zum Thema Ergonomie an Schreibtischarbeitsplätzen, beantragte die Einrichtung eines internen Chats für Verwaltungsmitarbeitende und beschäftigte sich mit der Umsetzbarkeit von Bewegungsangeboten und Geräten auf dem neu entstehenden WABL-Gelände in Cölbe.

  • Gesundheitszirkel Hauswirtschaftskräfte (Arbeitsplatzbezogener Gesundheitszirkel):

 

Der Gesundheitszirkel Hauswirtschaftskräfte beschäftigte sich vorrangig mit deren Rolle zwischen Hauswirtschaft und Pädagogik, die einige Kolleg_innen als belastend empfinden. Im Gesundheitszirkel wurden Lösungen hierfür entwickelt und einige Kolleg_innen suchten das Gespräch mit Teamleitungen und Vorgesetzten. Der Gesundheitszirkel Hauswirtschaftskräfte kann bei Bedarf wieder aktiviert werden.

 

  • Gesundheitszirkel Mittler Leitungsebene (Funktionsbezogener Gesundheitszirkel)

 

Der Gesundheitszirkel der Mittleren Führungsebene ist mit Kolleg_innen besetzt, die an den ergänzenden Seminartagen für die mittlere Leitungsebene teilgenommen haben. Der Gesundheitszirkel beschäftigte sich mit der Frage nach Belastungen und Entlastungsmöglichkeiten der Mittleren Führungsebene und stellte diese im Rahmen eines kleinen Klausurtages weiteren Kolleg_innen dieser Ebene vor. Daraus entwickelte sich ein dauerhafter Gesundheitszirkel, der dem kollegialen Austausch, der Vernetzung und der gegenseitigen Unterstützung dienen soll.

 

  • Gesundheitszirkel Thüringen (Regionaler Gesundheitszirkel)

 

Der Gesundheitszirkel Thüringen befindet sich in der Aufbauphase. Themen für die Kolleg_innen, die im familienintegrativen Bereich arbeiten, sind vor allem struktureller Art (z.B. Vertretung im Krankheitsfall) und solche, die die Gesundheitsfürsorge (Nutzung von Seminarangeboten der Krankenkassen, Etablierung von gemeinsamen sportlichen Aktivitäten etc.).

 

  • Gesundheitszirkel Biedenkopf (Regionaler Gesundheitszirkel)

Der Gesundheitszirkel Biedenkopf befindet sich derzeit noch im Aufbau.

3.3 Verstetigung und Abschluss

Nach Abschluss des Salveo-Projektes wird die GISA die Zuständigkeit für das Thema Gesundheit übernehmen. Die Rolle der Gesundheitsmentoren wird gestärkt werden (z.B. durch die Moderation von Gesundheitszirkeln) und die Struktur der Gesundheitszirkel sowie deren Anbindung an die Steuerungsgruppe bestehen bleiben.

Zum Abschluss des Projektes findet ein Gesundheitstag mit zwei externen Referenten statt: Herr Dr. rer. nat. Peter Spork wird über wird darüber sprechen, wie Gesundheit entsteht, wie unsere Lebensweise Einfluss auf unsere Gene nimmt und wie weit wir unsere eigene Gesundheit sowie die Gesundheit unserer Nachkommen selbst in der Hand haben. Herr Prof. Dr. Bernhard Badura, wird

den Nutzen, den die Installierung eines BGM für sozialwirtschaftliche Unternehmen hat, erläutern.

 

 

  1. REFLEXION

 

Im Rückblick bewertet das Salveo-Team das Projekt vor allem insofern als erfolgreich, als dass sich das gerade in den sozialen Arbeitsbereichen so wichtige Thema Gesundheit und Gesundheitsförderung im Unternehmen etabliert hat und ständiger Gegenstand von Gesprächen geworden ist. Damit erhält es eine Bedeutsamkeit, die sich über die letzten Jahre aufgebaut hat und nun an der Zeit ist, tatsächlich gelebt zu werden. Die momentane Aufbruchsstimmung kann dahingehend genutzt werden, wirklich hinzuschauen und die Gesundheit und das Wohlbefinden der Kolleg_innen immer stärker im Bewusstsein zu haben sowie entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, die die betrieblichen Verpflichtungen erfüllen sowie darüber hinausgehen.

 

Besonders bedanken möchte sich das Salveo-Team für die große Offenheit und das Engagement der Kolleg_innen, an diesem, doch sehr persönlichen Thema, mitzuarbeiten und die Vielfalt des Vereins und seiner Arbeitsplätze im Unternehmen und in den Tochtergesellschaften in das Projekt einfließen zu lassen.

 

Der Dank des Teams gilt der Unterstützung der vielen einzelnen Personen, die das Projekt begleitet und ermöglicht haben. Insbesondere dem Vorstand, der Geschäftsführung, der Mitarbeitervertretung und den Geschäftsbereichsleitungen.